Di., 17. bis So., 22. September 2002
20.30 Uhr / Einlass: 20.00 Uhr
"9. JÜDISCHE WOCHE"
in Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat der Landeshauptstadt München

Programm und Organisation:
Sigi und Claus Siegert


Technik:
Uwe Hinsche

Di., 17. September
"Flucht und Verwandlung"

Gedichte gesprochen von Angela W. Röders
Flucht und Verwandlung steht stellvertretend für die Erlebnisse, denen jüdische Menschen insgesamt und jüdische Dicher im besonderen als Opfer des Faschismus ausgesetzt waren. Unter diesem Titel sprechen die Dichterinnen

Rose Ausländer, Mascha Kaléko,
Else Lasker-Schüler,
Selma Meerbaum-Eisinger und Nelly Sachs

zu uns, denen bei aller Unterschiedlichkeit in Herkunft und Alter, in Form und Inhalt ihrer Werke, eines gemeinsam war: jüdische Dicheterinnen deutscher Sprache. Nennen wir sie also Dichterinnen jüdischen Schicksals, gleich, ob als Menschen, die dieses Schicksal erleben mußten oder als Menschen, die es beschrieben. Die Auswahl der Dichterinnen folgte ebenso subjektiven Erwägungen wie die Auswahl der Gedichte selbst. Es ist selbstverständlich, daß auch viele andere Lyrikerinnen hätten genannt werden können.


Mi., 18. September
"Das bewegte Leben des Lasik Roitschwantz"
Lesung aus dem Roman von Ilja Ehrenburg
mit: N. Lusheszkaja, M. Bazijan und E. Bazijan

I. Ehrenburg ist ein bedeutender russischer Schriftsteller und Publizist. Lange Zeit arbeitete er als Journalist in Europa, überwiegend in Paris. Seine Sternstunde erreichte er während des Zweiten Weltkriegs. Durch fast 1500 Artikel für russische und ausländische Zeitungen und Radiosender wurde er zum führenden Publizisten der antifaschistischen Koalition. In der Nachriegszeit beschäftigte er sich sehr aktiv mit der Destalinisierung der sowjetischen Gesellschaft. Sein Roman "Das abenteuerliche Leben von Lasik Roitschwantz" erschien 1927, wurde wegen der scharfen satirischen Töne in der Sowjetunion verboten und erschien nur während der "Perestrojka" 1989.
Ein satirischer Schelmenroman, in dem die chasidi-schen Erzählungen mit den Bildern des modernen Lebens im sowjetischen Rußland, Ost- und Westeuropa und Palästina eng verquickt sind. Sie sind organisch durch die Hauptfigur Lasik Roitshwantz, den "jüdischen Schwejk" verbunden.

Moisej Bazijan

Do., 19. September
"Borschtsch und Bargel"
Jüdische Rezepte, Lieder und Texte von daheim und anderswo - für Herz, Hirn und Magen

Texte von: Manger, Asch, Fried, Sinder, Bret, Peretz

Regie: Marina Roschankowa
mit: Andi Arnold, Michael Engelhardt, Agnes Kraus und Andrea Pancur

Man nehme:
Einen Hühnerflügel aus Cernowic
füge etwas Großstadtluft aus New York dazu,
eine Prise Meersalz aus Tel Aviv
und lasse das Ganze mehrere Sommer einköcheln.

Wohl bekomms!


Fr., 20. September
"Paul Celan - Abend" (1920 - 1970)
Lesung mit Helga Prunkl und Rudolf Inke

Eine Schauspielerin und ein Schauspieler lesen aus der jüngst erschienenen Korrespondenz des deutschen Dichters jüdischen Glaubens Paul Celan (1920 – 1970) mit seiner französischen Frau Gisèle Lestrange. Etappen iherer Liebe, Stationen im Schaffen Paul Celans – seine Begegnung mit beeutenden Schriftstellern wie Böll, der Nobelpreisträgerin Nelly Sachs, mit dem Philosophen Heidegger sollen beleuchtet werden.

Celans Liebe zu Ingeborg Bachmann –seine fürsorgliche Hinwendung zum Sohn Eric – sodann Momente seienr Erkrankung – Aufenthalte in verschiedenen Kliniken – schließlich sein Freitod in der Seine werden Markierungspunkte auf der Lesereise durch Celans Leben darstellen. Ausgewählte Gedichte sollen auf Größe und Vielfalt seiner dichterischen Leistung ein Schlaglicht werfen.


Sa., 21. September
"Jüdische Nobelpreisträger -
Schriftstellerinnen"
Portraits, Geschichten, Notate und Lyrik

Texte von:
Rose Ausländer, Elias Canetti,
Else Lasker-Schüler, Boris Pasternak,
Nelly Sachs, Isaac B. Singer,
Elie Wiesel u.v.m.

vorgetragen von der Schauspielerin
Silja Lésny


So., 22. September
"Jakov Magid & noch a´bissele"
Jiddischer Gesang und Klezmer

"freylech, trojerik - echt jiddisch!"
mit: Jakov Magid und der Gruppe "Tacheless"

Jakov Magid, ein bekannter jüdischer Sänger, Musiker und Schauspieler aus Wilna (Litauen), lebt seit einiger Zeit in München. Hinter ihm liegen viele erfolgreiche Tourneen durch die ganze Sowjetunion, Israel, London, Genf, Stockholm u.s.w., mehrere Schallplattenaufnahmen, drei CDs, zwei Fernsehfilme über sein künstlerisches Schaffen. Ab 1971 arbeitete er viele Jahre als Leiter einer jidischen Showgruppe unter sehr schwierigen Bedingungen, da alles Jüdische von der Regierung verboten wurde. In München gründete er die Gruppe „Tacheless“, mit der er als freier Künstler unterwegs ist.


Mit freundlicher Unterstützung des Kulturreferates der LH München